Expertenstimmen zum Werk Gert Webers

Dr. Sieglinde Platz, Weimar, zum Werkezyklus "Blues"

"[...] Innere Sammlung, Aufbegehren, Befreiung - alles in einem ausgedrückt. Auf diese Weise entstanden Werke von beeindruckender künstlerischer Reife, die man nicht im Vorübergehen rezipiert, sondern die den wiederholten Dialog erfordern und die noch im Nachhinein Betroffenheit hinterlassen."


Dr. Maren Kroneck, Saalfeld, zur Vernissage der Ausstellung "Zwiesprache"

"[...] Er hatte versucht, sich in DDR-Zeiten von staatlichen Abhängigkeiten freizumalen und ging den schweren Weg eines Einzelgängers. Bestärkt und auch geprägt wurde er von seinem Lehrer und väterlichen Freund, dem Künstler Werner Schubert-Deister aus Friedrichroda, den Weber als 'moralische Instanz' bezeichnet. [...]
Für seine kritischen Werke gab es schon in den 80er Jahren (illegale) Sammler aus dem Westen [...]
[...] Gert Webers Credo lautet: 'Ich male nicht zum Gefallen. Ich glaube an die Kraft der Bilder, die letztlich der Worte nicht bedürfen; die da einsetzt, wo das Wort nciht mehr hinreicht - tiefer eben und anhaltend, unvermittelt unter die Haut geht.' [...]"


Bewertungen in den Feuilletons


Südthüringer Zeitung, 25.07.2003, Michael Truppner: "Gegen die Ignoranz der Welt"

"Weber geht in seinen Bildern existenziellen Fragen auf den Grund. Mit geradezu manischem Eifer nimmt er sich immer wieder den menschlichen Kopf vor. Jedes Gesicht wird ihm dabei zu einer einzigartigen (Seelen-)Landschaft, in die sein Pinsel tiefe Kerben hineinfurcht. In holzschnittartig grober Malweise entwirft er so eindringliche Psychogramme. Immer sind seine Geschöpfe auf sich selbst zurückgeworfen, einsam und vereinzelt. Ansammlungen von Menschen findet man bei ihm selten. Dies unterscheidet ihn von Werner Tübke, seinem einstigen Lehrmeister. An dessen Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen hat Weber nach seinem Studium zwei Jahre lang mitgemalt. Mit Tübke verbindet ihn die Vorliebe für körperlich und seelisch Geschundene, die meist in seltsamen Posen erstarren. [...]
Webers Bilder berühren tief und nachhaltig. Nichts wirkt in ihnen versöhnlich. Vielmehr drängen sich seine Geschöpfe in all ihrer stummen Zerrüttung dem Betrachter förmlich auf, um so gegen die lärmende Ignoranz der Welt aufzubegehren."


Freies Wort, 19.04.2003, Carola Scherzer: "Musiker und Maler faszinierten"

"Mit schwungvollen Linien begann Gert Weber seine Arbeit zu noch recht harmonischen Klängen. Die Köpfe von zwei gegenüberstehenden Menschengruppen wurden nach und nach erkennbar. Zu schrägsten und schrillsten Saxofonklängen setzte er später beinahe zerstörerische, wilde, expressive Striche auf die Leinwand. Scheinbar völlig ungeordnet, kreuz und quer durcheinander, doch Im Gewirr von Linien und erdigen Farben traten die Konturen der beiden Menschengruppen Immer lebendiger hervor und In der Bildmitte tauchte plötzlich das Gesicht eines Liegenden auf.
Nach einer Stunde war das Werk vollbracht: Der letzte Ton verklungen, der letzte Pinselstrich aufgetragen, Stille im Raum, dann Applaus, als die Künstler vor das Gemälde traten und sich verbeugten, folgten Standingovations. Ein bewegender Moment für alle."


Rheinpost, 24.03.2000, Helga Bittner: "Ein dunkler Schmerz vibriert"

"Dem menschlichen Kopf gilt sein ganzes Interesse. Nicht dem detailgetreuen Abbild eines Antlitzes oder den anatomischen Besonderheiten seiner Form, sondern dem Kopf als Ausdruck innerer Befindlichkeit. Die Menschenbilder des 1951 in Thüringen geborenen Malers Gert Weber haben zumeist etwas Verstörenes. Ein Schrei strömt nicht allein aus dem Mund, sondern erfasst das ganze Gesicht, verzerrt es zu einer Grimasse, in der Augen, Nase, Mund nur zu erahnen sind: man sieht nur den Schmerz, der sich wie eine dunkle Wolke auf das ölbild legt. [...]

In Webers Bildern steckt nicht nur viel Sinnlichkeit, sondern auch Sensibilität. Sie sind die farbigen Zeugnisse von einem, der immer wieder auszieht, die Welt und die Menschen neu zu sehen."


Thüringische Landeszeitung, 30.08.1996, Kurt Hahn: "Schonungslose Sicht eines Unangepassten" :

"[...] Diese und andere Arbeiten im sakralen Bereich zeugen davon, dass Weber zu DDR-Zeiten infolge seiner nonkonformistischen Haltung kaum andere Möglichkeiten des Wirkens hatte. Im Schatten dieser Tätigkeit wuchs ein malerisches Oeuvre heran, das mittlerweile einen beachtlichen Umfang hat. Auf den vor der politischen Wende entstandenen Bildern haben Berührungs- und Schmerzpunkte mit repressiven Erscheinungen im realsozialistischen System Ausdruck gefunden. Und dies in Sujets und mittels Metaphern, die schlüssig und überzeugend sind: hoffnungslos eingeschachtelte Menschen (Domino), in Verkleidungen und hinter Masken sich Flüchtende (Clowns), in Käfigen hilflos flatternde Vögel..."

SWF3 Mainz, S3 Kultur am 3.8.1991, 18.50 Uhr, Redakteur Theo Schneider zum Bild "Alte Männer":

"[...] Wir sehen sieben ältere Männer, teils mittig plaziert, teils angeschnitten und auf der folgenden Tafel weitergeführt. Sie sind alle verschieden und doch alle gleich. Sieben Prototypen der Gattung abgehalfterte Machthaber. Gleich die Anzüge, gleich das weiße Hemd, gleich die Krawatten. Da stehen sie, verkrümmt und verbittert, und verstehen nicht, dass plötzlich Unrecht sein soll, was vor kurzem noch Recht war. [...] Verschieden und doch gleich die Gesichter. Hinterhältig, auf Gelegenheit zur Rache lauernd der eine. Der andere zerknirscht oder vielmehr Zerknirschung vorspielend, sich leutselig dumm stellend ein dritter. Der nächste mit gastritischer Leichenbittermiene und wieder einer abwartend kalt. So stehen sie da, diese schrecklichen Juristen und Lagerbaumeister, die Menschenverwalter und Staatsterroristen. Und wenn sie lange genug und überzeugend genug Bekehrung und Reue vorgespielt haben, dann werden sie vielleicht ja wieder, das lehrt zumindest die deutsche Geschichte, zu Amt und Würden kommen. Doch auf diesem Bild sind sie wenigstens einmal und wenigstens in der Kunst in ihren falschen Posen entlarvt. [...]"